Wusstest du, dass du mit Kastanien auch deine Wäsche sauber bekommst?

Kastanien gehören zum Herbst, wie die Sonne zum Sommer. Dass du mit Kastanien basteln kannst ist dir bestimmt bekannt. Wusstest du, dass du mit Kastanien auch deine Wäsche waschen kannst? Wenn nicht, möchte ich dir in diesem Post erklären warum dies so ist und wie du es bewerkstelligen kannst.

Herbst ist für mich die Zeit, in der ich mit meiner Waschmittelproduktion loslege. 2018 war für mich das zweite Jahr, nachdem es so wunderbar funktioniert hat. Waschen mit Kastanienwaschmittel ist völlig biologisch. Dazu sogar fast kostenlos – die Rosskastanien kannst du meist einfach sammeln und dann investierst du nur noch Zeit um dir dein Waschmittel für das ganze Jahr herzustellen!

Kastanien = Seife?

Bist du schon einmal auf Kastanien ausgerutscht? Also auf denen, die kaputt auf dem Boden liegen und nass geworden sind? Dann ist dir höchstwahrscheinlich aufgefallen, wie seifenartig sich das anfühlt und der Gehweg auch glänzt. Der weiße Kerne der Kastanie enthält Saponine. Saponine kommt vom lateinischen “sapo” was übersetzt “Seife” bedeutet. Es sind chemische Verbindungen welche gelöst in Wasser einen seifenähnlichen Schaum bilden. Sie sind übrigens auch in vielen Gemüsepflanzen, wie z.B. Kichererbsen, Erdnüssen, Tomaten oder auch Zwiebeln.

Wie sieht es aus mit indischen Waschnüssen?

Vielleicht hast du bereits von den indischen Waschnüssen gehört. Diese haben eine hohe Konzentration an Saponinen, worauf die Waschwirkung dieser zurückgeht. Bei Rosskastanien sieht es ähnlich aus. Ob du wirklich indische Waschnüsse verwenden solltest oder lieber auf unsere heimische Rosskastanie zurückgreifst, ist dir natürlich überlassen. Ich sehe es so, dass die Waschnüsse nichts auf unserem Markt zu suchen haben. Im Gegensatz zu den Rosskastanien müssen sie einen weiten Weg zu uns zurücklegen. Dazu kommt, dass durch die inzwischen große Nachfrage hier, der Preis in Indien für die Waschnüsse steigt, so dass die Familien dort sich die nicht mehr leisten können. Die Menschen in Indien steigen somit von ihrem traditionellem Waschmittel auf chemisches Waschmittel um – meiner Meinung nach, genau das Gegenteil was man hierzulande erreichen möchte.

Die Kastanien haben also aufgrund ihrer Sapionen seifenartige Wirkung. Daher kannst du sie ohne Probleme zum Waschen verwenden. Dazu musst du sie allerdings nicht nur sammeln und dann ab in die Waschmaschine damit, sondern noch bearbeiten. Durch die geschlossene Schale kommen die Sapione nämlich nicht durch 😉

Ich erkläre und zeige dir in den folgenden Abschnitten, wie ich mir meinen Jahresvorrat an Kastanienpulver anlege und wie ich schlussendlich damit wasche.

Herstellung von Kastanienpulver

  1. Nach Erfahrungswerten benötige ich als Einpersonenhaushalt ca. 6-7kg gesammelte Kastanien. Gelesen habe ich, dass für vierköpfige Familien um die 12kg benötigt werden.
  2. Als erstes werden die Kastanien geviertelt. Dies tue ich mit meinem Brotmesser. Kleiner Tipp am Rande: lege die helle Stelle nach unten – das ist die härteste der ganzen Kastanie 😉

  3. Jetzt gibt es zwei Optionen: für Buntwäsche ist die Schale nicht schlimm. Bei Weißwäsche ist reiner heller Kastanienkern allerdings zu empfehlen. Daher habe ich immer zwei Schalen vor mir stehen. Die geviertelten versuche ich zu pulen. Nicht bei allen funktioniert das einwandfrei. Deswegen werden die, bei denen das direkt auf Anhieb klappt, geschält und die anderen kommen in die andere Schüssel. Je frischer die Kastanien sind, desto einfacher lassen die sich übrigens schälen! Und: per Hand schälen ist weniger kompliziert als mit dem Schälmesser.
  4. In meinen Mixer zerkleinere ich die nach und nach. Funktioniert auch mit dem Pürierstab. Einfach mal ausprobieren 🙂

  5. Danach verteile ich sie dünn auf Backbleche und in Backformen. Am Ende möchte ich, dass der Ofen möglichst voll wird. Je dicker die Schicht ist, desto länger dauert die Trockenphase.
  6. Für ca. 2-3 Stunden lasse ich das Kastanienpulver bei ~50 Grad Umluft im Ofen trocknen. Die Ofenklappe ist einen Spalt breit geöffnet, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Zwischendurch rühre ich das Pulver ein bisschen um. Am Ende der Zeit mache ich den Ofen aus und lass sie nachtrocknen. Dieses Jahr habe ich es so gehandhabt, dass ich abends nach der Arbeit eine neue Charge in den Ofen geschoben habe, vor dem zu Bett gehen ihn ausgeschaltet und dann bis zum nächsten Abend nachtrocknen lassen habe.
  7. Sobald das Kastanienpulver knochentrocken ist, kannst du es in luftdichtverschließbare Gläser füllen. Dein Vorrat ist somit fertig und ohne Probleme mindestens ein Jahr haltbar!

Vom Kastanienpulver zum Kastanienwaschmittel

Und nun der krönende Abschluss: waschen mit dem selbsthergestellten Kastanienpulver!

Für eine Fuhre Wäsche gebe ich 2-3 EL Kastanienpulver mit ~500ml Wasser in ein Glas. Damit die Sapione entweichen können, muss es eine zeitlang stehen. Die meisten sagen ca. 2 Stunden reichen. Persönlich bereite ich die erste Mischung gerne am Abend vorher vor.

Danach kippst du das Gemisch durch ein Sieb in ein anderes Glas oder direkt in dein Waschmittelfach. Waschmaschine anstellen und los geht es!

Das Kastanienwaschmittel hält sich nicht länger als ~ 2 Tage, daher musst du es immer vorher ansetzen. Allerdings kannst du jedes Mal das Kastanienpulver 2-3 mal direkt wiederverwenden!

Hartnäckige Flecken entfernt das Kastanienwaschmittel nicht. Wenn du diese vorher mit Gallseife oder Kernseife bearbeitest, ist es meist beim waschen dennoch weg. Das sind zumindest meine bisherigen Erfahrungen.

Optional kannst du ätherische Öle in das Waschmittelfach dazugeben – Waschmittel aus Kastanien haben nämlich die Eigenschaft, das deine Wäsche danach neutral riecht. Finde ich persönlich gut, dennoch kann dein Geschmack natürlich anders sein.

 

Habe ich dich damit angesteckt? Berichte mir doch gerne von deinen Erfahrungen in den Kommentaren 🙂

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