Sich wohlfühlen im eigenen Körper

Die Zeiten, in denen ich kein Gramm Haferflocken aus Angst vor Kohlenhydraten zu mir genommen habe, Kaffee ohne Milch getrunken habe, um die Kalorien und das Fett aus der 0.2% Milch zu sparen, sind seit langem vorbei. Die Zeiten, in denen man mir eine Essstörung unterstellt hätte, auch und die Zeit, in der ich nur noch aus Haut und Knochen bestand, sowieso.

Mir macht Essen Spaß, ich esse gerne und viel, beschränke mich dabei nicht nur auf Gemüse und Salatblätter, sondern esse alles. 

Die Zeiten, in denen ich ohne schlechtes Gewissen esse, überwiegen und dennoch – manchmal kommt es auf. Das Gefühl, zuviel gegessen zu haben. Das Gefühl, zuviel Ungesundes gegessen zu haben. Das Gefühl, sich diesen Schokoriegel jetzt nicht „erlauben“ zu dürfen. Die Angst vor dem Zunehmen. Das Gefühl, sich vor seinem Körper zu ekeln. Das Gefühl, überall nur Fett zu spüren.

Ich glaube, heutzutage kennt jedes Mädchen diese Gefühle. Wer ist heutzutage denn noch mit sich zufrieden? Wie oft schon habe ich schlanke, vermeintlich gesunde Mädchen sagen hören „Man ist nie mit sich zufrieden. Es gibt immer etwas auszusetzen.“ Und wie traurig ist diese Entwicklung? Denn es geht auch anders. Ich finde es toll, Frauen zu sehen, die mit sich im Reinen sind, die sich selbst achten und sich toll finden. Die sich wohlfühlen. Und das hat nichts mit Arroganz oder Überheblichkeit zu tun – sondern nur mit Selbstbewusstsein und Selbstliebe.

Wann haben wir damit aufgehört, uns wertzuschätzen? Wann hören wir auf, uns über unsere Körper zu definieren und prangern gleichzeitig die Gesellschaft an, uns nur als Stück Fleisch zu sehen, wenn wir uns selbst so betrachten?

Ich nehme mich selbst bei weitem nicht raus. Es gibt Tage, da bin ich der glücklichste und zufriedenste Mensch, fühle mich mit mir und meinem Körper wohl und bin wunschlos glücklich. Aber es gibt auch Tage, an denen ich mich fett und aufgedunsen fühle, mich verachte und klein mache. Diese Tage werden seltener, je mehr Zeit verstreicht. Dass sie noch vorkommen, hängt mit meinem Background zusammen. Auch wenn es oft heißt, dass man „nie aus einer Essstörung herauskommt“, glaube ich, dass es anders ist. Und sehe es an mir selbst. Ich könnte nie wieder hungern, mein Körper hat einen Mechanismus entwickelt, der dies verhindert – und es mir (zum Glück) unmöglich macht, Diäten und Hungerkuren durchzustehen. Und nein, ich habe kein Medizin studiert, es geht hier lediglich um meine persönlichen ErfahrungenIm Vergleich zu früher, als ich meinen Körper gehasst habe, mich vor ihm geekelt habe und ihn weg „hungern“ wollte, habe ich heute eine grundsätzlich gesunde Beziehung zu meinem Körper entwickelt. Ich bin stolz auf meinen Körperbau, welcher schnell Muskulatur aufbaut, habe mich damit abgefunden, niemals schlanke, dünne Beine zu haben, dafür habe ich mich mit meinem breiten Kreuz, meiner ausgeprägten Beinmuskulatur angefreundet und bin mit meinem Bauch zufrieden. Natürlich gibt es Zeiten, in denen ich mich als „zu dick“ empfinde (beispielsweise bei unvorteilhaft aufgenommenen Lauffotos von Wettkämpfen, auf denen keiner jemals gut aussieht) und Phasen, in denen ich mehr Masse habe als in anderen Phasen, Zeiten, in denen ich mich gut und ausgewogen ernähre und Zeiten, in denen ich lieber zu Schokolade und Pizza greife anstatt zu Vollkornprodukten und Gemüse. Ich glaube, jeder hat diese Phasen. Und niemand ist 24/7 zufrieden und glücklich mit sich. Genau wie das Leben nicht immer perfekt läuft und niemand immer glücklich ist. Es geht in meinen Augen darum, grundsätzlich mit sich zufrieden zu sein, sich wertzuschätzen, wohlzufühlen und sich an „schlechten Tagen“ nicht fertig und klein zu machen, sondern auch diese Tage zu akzeptieren.

Rückblickend habe ich mich gefragt, wie ich es geschafft habe, einigermaßen Frieden mit mir und meinem Aussehen zu schließen (und mich auf wichtigere Dinge des Alltags zu konzentrieren ;))

Das Ganze ist eine langjährige Entwicklung gewesen und noch längst nicht abgeschlossen. Niemand ist in meinen Augen je am Ziel – mit sich selbst und seinem Leben.

Wie kann man sich im eigenen Körper wohler fühlen?

  • Vergleichs – Stop

Durch die sozialen Medien ist man schnell dazu geneigt, sich mit den Leuten zu vergleichen, die so genommen nicht existieren. Natürlich sehen die ganzen großen Influencer superschön und hübsch aus, auf Instagram werden jedoch nur die schönsten Bilder gepostet – und schöne Bilder gibt es von euch auch 🙂 Jeder “Star” hat auch mal seinen schlechten Tag – mit Pickeln, einigen Pfunden zuviel/zuwenig oder schlechter Laune – genau wie ihr auch. Wir sind alles nur Menschen. Natürlich hört man nicht von heute auf morgen damit auf, sich mit den Menschen in seiner Umgebung oder auf seinem Handydisplay zu vergleichen, jedoch ist der erste Schritt dorthin das bewusste Wahrnehmen. Fällt dir selbst noch auf, wie klein du dich neben anderen machst? Sag dir selbst im Inneren, dass du damit aufhören sollst 😉 Entabonniere Instagramaccounts, die dich nicht motivieren und inspirieren, sondern dich herunterziehen; lege dein Handy weg, gehe eine Runde an die frische Luft oder widme dich deiner To-Do-Liste, damit du gar nicht auf die Idee kommst, alle deine “Makel” wahrzunehmen.

  • Akzeptanz

Es gibt Dinge an uns, die können wir nicht ändern. Ich kann mich herunterhungern wie ich will, ich werde niemals ein schmaler, zierlicher Mensch sein. Wollte ich früher noch aussehen wie die Ballerinas, habe ich mich heute damit arrangiert, eher muskulös und kräftig zu sein. Wenn ihr groß seid, werdet ihr niemals klein sein; wenn ihr große Füße habt, werdet ihr niemals in Schuhgröße 36 passen und wenn eure Nase so aussieht, wie sie eben aussieht, ist das auch nicht schlimm. Manche Dinge müssen wir als gegeben akzeptieren.

  • Bestandsaufnahme

Mir hat es geholfen, mir vor Augen zu führen, was ich alles an mir mag und was ich alles schon erreicht habe. Das kann eine geschriebene Liste sein oder nur einige positive Affirmationen im Kopf – ganz wie es euch am besten hilft. Ich bin mir sicher, dass es viele Dinge gibt, die ihr an euch mögt; denen ihr aber viel zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, weil ihr euch nur auf eure “Fehler” konzentriert.

  • Veränderung

Was kannst du an dir verändern, was dich stört? Manche Dinge sind gegeben, manche nicht. Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch das Recht hat, sich so zu verändern, wie er möchte. Wenn dich dein Bauchspeck stört, kannst du daran arbeiten, ihn zu verringern. Mit harter Arbeit und Disziplin ist vieles möglich, was einmal unmöglich erscheint. Mit 13 Jahren haben mich 800m beim laufen schon an meine konditionellen Grenzen gebracht, als ich begonnen habe, zu laufen, war ein Halbmarathon unter 2 Stunden in weiter Ferne und jetzt kämpfe ich darum, unter 1.45 zu laufen – ein Ziel, welches ich mir früher nie geträumt hätte, zu setzen. Jeder Mensch kann und darf sich so verändern, wie es ihm gut tut. Setzt euch Ziele und arbeitet an ihnen. –

“I may look like a potato now but one day I’ll turn into fries and you’ll all want me then”

  • Bewegung

Ich weiß, dass ich mittlerweile schon als Sportjunkie verschrien bin, aber ich vertrete weiterhin felsenfest die Meinung, dass Bewegung JEDEM gut tut (vorausgesetzt es bestehen keine medizinischen Einschränkungen etc). Sport setzt Endorphine frei, sodass ihr körpereigene Glückshormone produziert. Es geht mir jedesmal nach dem Training besser, ich fühle mich wohl, bin auf meinen Körper und seine Leistung stolz und mit mir selbst im Reinen.

 

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