Über 365 Tage Zero Waste – Wie ist es so?

Ohne Zero Waste kann und will ich gar nicht mehr mir mein Leben vorstellen. Über ein Jahr bin ich nun schon dabei und ich habe unglaublich viel gelernt dabei! Wie ich zu Zero Waste gekommen bin, kannst du in diesem Blogpost lesen.

Ein Jahr. 365 Tage mit viel weniger Plastik im Alltag. Mir fällt es heute schon schwer mir vorzustellen, wie es mit mehr ist, denn auf Plastik und Co. Zu verzichten ist mir schon fast ins Blut übergegangen.

Die ersten paar Monate plastikfreier leben

In der ersten Zeit habe ich mir lange vorgenommen, zum Unverpackt Laden zu fahren. Dies hat jedoch bis ca. Dezember / Januar noch gedauert. Warum kann ich schlecht ausdrücken, denn ich weiß es selber nicht. In meinem Weihnachtsurlaub habe ich unglaublich viel bei und mit meiner Mutter genäht: Stoffbeutel, Abschminkpads, Geschirrrolle, u.v.m. Das hat mir den Boost gegeben, dass ich noch viel mehr drauf geachtet habe. Später habe ich auch Wachstücher selbstgemacht.

Der erste Versuch Brötchen verpackungsfrei zu bekommen. Eine Brotdose war vielleicht nicht die beste Idee…

Neben selbstmachen habe ich z.B. Gläser meinen Eltern abgequatscht oder durch Kleinanzeigen mir besorgt. Direkt richtig angegangen, denn: lieber gebraucht kaufen, als neu. Neu kaufen wäre mir in dem Moment auch nicht oin den Sinn gekommen. 😉

Auch fing ich in dieser Zeit an, mehr und mehr auszumisten und diese Teile zu spenden, verkaufen oder notfalls richtig wegzuschmeißen. Unglaublich wie viel Zeugs selbst heute noch bei mir rumsteht!

Über das Jahr gesehen hatte ich weniger Momente als erwartet, in denen es mir schwer fiel, nach den Zero Waste Grundsätzen zu handeln. Sobald mein Terminplan voller wurde und ich nicht mehr genug plante, griff ich mehr zu Fertigessen oder zum Bäcker. Bei einigen Lebensmitteln, wie z.B. Gewürzen schaffte ich es nicht immer, da mein Unverpackt Laden noch nicht alle immer da hat, die ich benötige. Auch Käse ist ein Thema – meist bekommst du den nur in Plastik verpackt oder auf dem Markt in Käsepapier, wo er häufig mehr in den Geldbeute schlägt (dafür auch besser schmeckt 🙂 ).

Was ein extremer Vorteil ist für mich: der Wohnort Hamburg. Hier gibt es Unverpackt Läden wie z.B. Stückgut (direkt am Altonaer Bahnhof und in der Rindermarkthalle) oder Ohne Gedöns (Volksdorf). Zur Zeit läuft auch das Crowdfunding für Onkel Emma in Bergedorf bis zum 30.11.2018. Die Kampagne findest du hier auf Startnext!

Veränderungen in einzelnen Räumen

Was ich in den einzelnen Räumen bereits verändert habe, zähle ich dir hier grob auf. Es wird garantiert irgendetwas fehlen.

Küche

  • Lebensmittel unverpackt, im Glas oder nur in Papier/Pappe einkaufen
  • noch viel mehr selber kochen und auch einkochen
  • einkaufen: geplanter, saisonaler und Foodsharing
  • kaputte Plastikteile durch Edelstahl/Holz ersetzt
    So sahen meine Küchenschränke vor ein paar Monaten aus. Inzwischen ist vieles davon aufgebraucht worden im Rahmen der #eatupchallenge 🙂

Bad

  • Shampoo / Duschgel durch (Haar-)seife ersetzt
  • Zahnpasta selber machen
  • Zahnbürste = Bambuszahnbürste
  • Wattepads = Waschlappen / selbstgenähte Abschminkpads
  • Schminken: nur noch am aufbrauchen, da ich mich sowieso sehr selten schminke
  • Waschmittel = ersetzt durch selbstgemachtes Kastanienwaschmittel
  • Rasier = Rasierhobel

Toilettenpapier = unverpackt einkaufen

So sah ein Teil meines Badezimmers vorher aus. Vieles davon benutzte ich nicht einmal oft…
So sieht es jetzt. Minimalistischer. Übersichtlicher. Schöner. Ein ganz neues, wunderbares Gefühl.

Allgemein

  • Stofftaschentücher
  • von Kugelschreiber zurück auf Füller (bald auch mit Konverter, wenn die Tintenpatronen alle sind 😊 ), von Textmarkern und Filzstifte zurück zu Buntstiften
  • Bücher als eBook oder gebraucht kaufen, ausleihen
  • allgemein auf Papierverbrauch achten
  • weniger Kleidung kaufen (nur bei Sportkleidung hat das nicht ganz geklappt…)

Dinge, die sich für mich nicht verändert haben, waren z.B.:

  • Leitungswasser zu trinken
  • zu Fuß gehen, Fahrrad oder Bus und Bahn fahren
  • Rechnungen / Briefe per Mail oder Download zu bekommen – habe ich auch vorher schon alles was ging digital gemacht / gehabt
  • Holzwäscheklammern – bin ich mit aufgewachsen, auf die Idee, welche aus Plastik zu kaufen, wäre ich nicht einmal im Traum draufgekommen.

Wie du siehst, war da einiges an Potential und auch jetzt habe ich noch einiges. Ich liebe z.B. Käse und den bekomme ich nicht immer nur in Käsepapier. Es gibt Momente, in denen das Fertigessen aus dem Supermarkt mich anlacht oder die Tüte Süßigkeiten. Oder es mir schwerfällt, an neuer Sportkleidung vorbeizulaufen – obwohl ich genau weiß, dass ich eigentlich genug besitze.

Alles in allem gesehen, ist das letzte Jahr unendlich mal erfolgreicher gewesen, als ich anfangs erwartet habe! Die Rückmeldungen aus meinem Freundeskreis und über Instagram, dass es toll ist, dass ich meine Erfahrungen teile und dass ich schon einige inspiriert habe, auch wenn es nur für Kleinigkeiten ist, ist unbeschreiblich! Es gibt Momente, in denen ich mich frage, ob es überhaupt etwas bringt, die Welt retten zu wollen. Dann sind diese Sätze, diese Nachrichten das allerschönste – es zeigt mit, dass es richtig ist, dass ich es nicht nur für mich, sondern öffentlich mache.

Mein Ziel ist es nicht (!) zu missionieren, mein Ziel ist es, dich zum nachdenken anzuregen! Über jeden neuen Gedankengang zu Zero Waste, Less Waste und Nachhaltigkeit bei dir freue ich mich. Das ist der erste Schritt. Umso mehr du darüber nachdenkst, umso wird es dir bewusst und irgendwann setzt du mindestens Teile davon um. Wenn du für dich entscheidest, dass Stoffbeutel zum einkaufen mitzunehmen, dein Beitrag dafür ist, die Welt ein bisschen besser zu gestalten, dann ist das in Ordnung!

Bist du schon beim Thema Zero Waste ein “alter Hase”? Oder stehst du noch ganz am Anfang? Was sind für dich die ersten Hürden (gewesen)?

Mein erster Versuch Pommes in meiner eigenen Dose zu holen, war erfolgreich!

 

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