Die deutsche Tradition der Weihnachtsgurke, welche kaum einer kennt …

Die Weihnachtsgurke ist eine (angebliche) deutsche Tradition. Ob du gerade ungläubig guckst? Würde ich gut finden, denn so haben wir auch reagiert, als wir das erste Mal davon gehört haben. Das war letztes Jahr, als Freundinnen und ich an einem verlängerten Wochenende auf den Weihnachtsmärkten in Heidelberg unser Unwesen trieben.

Während wir mit 6 Mädels über die Weihnachtsmärkte schlenderten, die eine oder andere hatte schon den einen oder anderen Glühwein intus, fielen uns mitten zwischen dem angebotenen Christbaumschmuck immer wieder Gewürzgurken auf. Wir waren auf der Suche nach dem schrecklichsten, grausamsten Christbaumschmuck für die eine Schwiegermutter, daher wurde den Ständen mit dem besagten Schmuck sowieso eine besondere Beachtung geschenkt. Die Gewürzgurken gab es in allen Größen, verschiedenen Farben, glitzernd in Gold oder Silbern, aber auch ohne Glitzer.

Es dauerte eine Weile bis wir an einen Stand kamen, die uns erklären konnten, was es damit auf sich hat. „Weihnachtsgurke“ hörten wir nun das erste Mal!

Wir erfuhren, dass die Weihnachtsgurke eine Tradition in der U.S. ist unter dem Namen „German Christmas Pickle Tradition“ – hast du schon einmal davon gehört? Ja? Dann gehörst du zu den unter 10% der befragten Deutschen (2016), die die Weihnachtsgurke kennen! Klopf dir auf die Schulter 😉 Die New York Times hat 2016 in diesem Artikel über die Weihnachtsgurke berichtet.

In den USA wird an den Tannenbaum eine grüne Weihnachtsgurkenornament gehängt, die nicht sofort gesehen wird. Tief zwischen den Zweigen und dem restlichen Christbaumschmuck, versteckt sich die Gewürzgurke! Wer am Weihnachtsmorgen die besagte saure Gurke als Erstes findet, wird besonders viel Glück im folgenden Jahr haben.

Bei bzw. für Kinder(n) gibt es die Version, dass wer die „Christmas Pickle“ als erstes findet, ein kleines extra Geschenk bekommt.6 Mädels, jede hat ein "Weihnachtsgurke" in der Hand, alle machen irgendwelche Faxen mit ihr.

Wieso ist diese amerikanische Tradition angeblich eine deutsche?

Unbekannt ist, woher die Tradition wirklich stammt. Laut den Amerikanern ist eine populäre Geschichte die, dass John Lower, ein geborener Deutscher, beim Civil War gefangen genommen worden ist und im Gefängnis landete. John, krank und hungrig, bettelte bei seinen Wärtern um essen und bekam aus Mitleid eine Gewürzgurke. Er überlebte seine Gefangenschaft und begann die Tradition um immer an seine Tortur erinnert zu werden.

Eine ähnliche Geschichte wurde uns auf dem Heidelberger Weihnachtsmarkt erzählt. Auch hier war ein deutscher Soldat im Spiel. Er war Seemann und todeskrank. Sein letzter Wunsch war eine Gewürzgurke, die er auch bekam. Auf wundersame Art und Weise überlebte er. Um dem immer bewusst zu sein, kam die Tradition zustande.

Wie genau die Tradition zustande kam, ist dementsprechend nicht bekannt. Was aber bekannt ist, ist, dass Weihnachten in den USA erst während und nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) „groß“ wurde. Vorher haben meist nur wohlhabende deutsche und englische Immigranten das Fest gefeiert. Woolworth, der Gründer der gleichnamigen Kette, fing zu dieser Zeit an, seine bekannte Ladenkette zu gründen. Er begann unter anderem aus Deutschland importierten Tannenbaumschmuck zu verkaufen. Möglich ist, dass unter diesen auch Baumschmuck in Form von Gewürzgurken waren.

Und geschichtlich passt das auch?

Die Verbindung ist auch geschichtlich möglich, wenn man sich mit dem Thema weiter beschäftigt. Um 1600 herum war in Thüringen das Städtchen Lauscha bereits für ihre Glasbläserei bekannt. Hier wurden Trinkgläser und Glasbehälter geblasen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der erste Glasschmuck in Formen von Früchten und Nüssen von Lauschaer Handwerkern hergestellt worden. Bereits damals haben die Handwerker ein einzigartiges Verfahren entwickelt, mit denen hohe Stückzahlen Christbaumschmuck geblasen werden konnte. Kurz darauf wurden diese in Teile Europas, England und in die Vereinigten Staaten exportiert. Auch heute noch ist die Stadt für ihre Glasbläserkunst bekannt.

Am Ende wird es wahrscheinlich eine Mischung aus allem sein. Denn der Zeitraum, in dem der Amerikanische Bürgerkrieg war, von 1861 bis 1865 und die Zeit, in dem der Export des handgeblasenen Tannenbaumschmucks begann, Mitte 19. Jahrhunderts, überschneidet sich. Irgendwo ist immer ein Fünktchen Wahrheit zu finden 😊

Die Mädels und ich sind, egal wie die eigentliche Tradition nun ist, jeder eine stolze Besitzerin einer Gewürzgurke! Für uns steht sie für das Wochenende, für unsere Freundschaft. Denn es sind alles ein Teil der Mädels, die ich 2013/14 in Neuseeland kennengelernt habe und in mein Herz geschlossen habe!

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