Charlie und die Nachhaltigkeit | #9

Dieses Mal ist Charlie meine Interview-Partnerin – die Österreicherin erzählt dir hier und heute, wie sie zur Nachhaltigkeit gekommen ist. Aber nicht nur das, auch ob Pizza mit oder ohne Ananas besser schmeckt … Schaue gerne auch bei Astrid’s Interview, oder bei Feli’s vorbei und hinterlasse gerne deine Antworten auf die Fragen!

Danke liebe Annkathrin für deine Geduld mit mir, hier meine Antworten!

Erzähle doch kurz über dich – wer bist du und wo kommst du her?

Ich bin Charlie, 33 Jahre, aus Oberösterreich. Hier lebe ich mit Mann, meinen beiden sehr kleinen Kindern (1 und 4 Jahre) und Katze in der Linzer Vorstadt. Wir werden ein Jahr lang vom österreichischen Fernsehen dabei begleitet, wie wir keinen Müll produzieren.

bty

Um dich noch ein bisschen besser kennenzulernen: 3 Dinge über dich, die bisher kaum/keiner kennt …

Wirklich schwierige Frage ;)

  1. Ich telefoniere absolut nicht gern.
  2. Ich mag es am liebsten ruhig. Außer bei der Musik – da steh ich total auf Metal und würde sehr gern mal wieder auf Wacken fahren.
  3. Ich wäre beruflich fast in der Pharmaindustrie gelandet. Heute sage ich: Zum Glück wurde nichts daraus.

Seit wann lebst du nachhaltig und was war der Auslöser dafür?

Eigentlich schon immer, in gewissem Rahmen. Meine Eltern kommt aus der ehemaligen DDR. Da waren die Menschen sehr ideenreich, konnten quasi aus Nichts noch Etwas rausholen, basteln. Auch meine Oma (von der Kriegszeit geprägt) hat besonders bei Lebensmitteln alles rausgeholt, Verschwendung gab es da nicht. Als Schülerin hab ich Müll aufgesammelt und mich sehr für die Natur interessiert.

In dem Sinne „nachhaltig“ wie heute, lebe ich seit 2015, als mein Großer geboren wurde. Wir waren umgeben von Plastik und Müll: Wegwerfwindeln, Spielsachen aus Plastik, Klamotten aus Mikrofaser. Das wollte ich Alles nicht mehr und kam über Stoffwindeln zu vielen anderen nachhaltigen Produkten.

Wie definierst du „Nachhaltigkeit“ für dich?

Für mich persönlich bedeutet Nachhaltigkeit, ressourcenschonend, müllarm und weitesgehend natürlich zu leben. Mehrwegprodukte statt Einwegprodukten zu verwenden. Plastik sehe ich als ein sehr kritisches Material und versuche eher auf natürliche Stoffe auszuweichen. Bei der Ernährung ist mir regional und saisonal sehr wichtig.

Was ist dein bisher interessantestes Learning auf deiner Reise?

In manchen Punkten ist es wirklich einfach, auf nachhaltige Alternativen umzusteigen. An anderen Stellen wird es schwierig. Da, wo wir nicht direkt Einfluss nehmen können: Bei der Mobilität zum Beispiel. Im ländlichen Raum geht es oft nicht ohne Auto.

Durch unser Jahresprojekt mit dem TV bekomme ich viel Rückmeldung von den Zusehern. Das hilft mir bei dem Blick raus aus der Filterblase: Hier haben die Menschen ganz andere Sorgen als ich und eröffnen mir neue Blickwinkel. Darüber bin ich sehr dankbar!

Es hat mir gezeigt, nicht zu dogmatisch zu sein. Jeder sollte einfach in seinem Rahmen handeln, so dass er / sie sich noch in den Spiegel schauen kann.

Hat dich die Nachhaltigkeit bereits persönlich weitergebracht? Wenn ja, inwiefern?

Ja, allerdings. Ich habe gemerkt, dass ein nachhaltiger Lebensstil den Alltag entschleunigen kann. Natürlich kann ich mich auch unnötig stressen, indem ich alles selber machen will oder von Vollzeit Fleischesser auf pflanzenbasierte Kost umsteige. Diesen Weg habe ich abgelehnt, sondern erstmal geguckt was mir leicht fällt. Dabei habe ich eine richtige Last von mir abfallen gespürt. Mein wichtigstes Beispiel ist Einkaufen: Am Markt oder im Unverpackt Laden lasse ich mir (ohne Kinder) Zeit, kann die Produkte kennenlernen, werde nicht von 10 weiteren ähnlichen Produkten überfordert. Wenn ich dann in den konventionellen Supermarkt gehe, will ich eigentlich nur noch eins: Raus aus dem Laden.

bty

Ich hatte schon immer Schwierigkeiten, intakte Dinge wegzuwerfen. Durch den Nachhaltigkeitsgedanken versuche ich nun lokal Initiativen zu nutzen oder sogar zu starten, mit deren Hilfe diese Dinge neue Besitzer finden (wie Tauschparties). So fällt es mir leichter, Dinge loszulassen, mich vom materiellen Ballast zu befreien.

Auch engagiere ich mich jetzt viel mehr in diversen Klimaprojekten wie dem österreichischen Klimavolksbegehren oder als Zero Waste Austria Botschafterin.

Bist du durch dein nachhaltigeres Leben aktiver im Alltag geworden?

Oh ja, ein sehr positiver Nebeneffekt :) Und auch ein Teil meines Hauptprojektes: Mich in den nächsten beiden Jahren zu halbieren (auf gesunde, natürliche Weise).

Dazu muss ich aber auch sagen, dass zwei kleine Kinder generell mehr Aktivität bringen, wir immer schon viel rausgegangen sind. Jetzt kommen halt ein paar Handgriffe wie du sagst Müllsammeln dazu. Wir verkaufen jetzt auch gerade unser Auto, um zumindest im Zuge unseres Jahresprojektes darauf zu verzichten. Das ist mit den Kindern eine große Herausforderung!

Was ist dein liebster Tipp, wenn du gefragt wirst, wie man einfach nachhaltig leben kann?

Mein allererster und liebster Tipp ist:

  1. Nutze was du hast! Es ist so einfach und so effektiv! Obwohl mein Waschmittel aus war, bin ich noch zwei weitere Monate über die Runden gekommen, nur weil ich noch alle Vorräte zusammen gesucht habe, Probepackungen, Reste, etc. Und wir sprechen da von 6-10 Maschinen pro Woche ;)
  2. Stress dich nicht zu viel, fang mit dem an, was dir leicht fällt.
  3. Tipp bei viel Wäsche: Auch mal auslüften (wenn nicht bekleckert).

Zum Abschluss, eine Frage, die die Menschheit spaltet: Pizza mit oder ohne Ananas?

Mit, wenn es nach Geschmack geht. Aus nachhaltigen Gründen esse ich aber nur noch Südfrüchte, wenn ich sie über Foodsharing vor der Tonne gerettet habe.

Vielen lieben Dank, Charlie für deine Antworten!

Du findest Christina auf Instagram unter @starkemama, auf ihrem Blog www.starke-mama.de, Facebook oder auf Pinterest.

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15 comments

  1. Sehr schönes Interview mit vielen guten Ansätzen. Ich kenne tatsächlich auch zwei Familien, die über die Geburt des Kindes und den Windel-Wahnsinn zu mehr Nachhaltigkeit gekommen sind, indem sie auch auf Stoffwindeln gesetzt haben und Holzspielzeug. Ich versuche schon, Plastik zu minimieren, aber ich verbrauche immer noch viel zu viel – leider.

  2. Wir versuchen auch möglichst nachhaltig zu leben. Leider gelingt uns das nicht immer. Daher finde ich den Beitrag inspirierend. Hut ab vor Charlie – und auch, sich so lange “begleiten” zu lassen.
    Viele liebe Grüße
    Sandra

    1. Keiner muss perfekt sein – toll, dass ihr euer Bestes gebt! Ich frage mich auch, wie lange ich das mit Begleitung aushalten würde … Davor habe ich daher einen Heidenrespekt!

      Liebe Grüße
      Annkathrin

  3. Da habe ich was mit Charlie gemeinsam! Ich telefoniere auch nicht so gern und meine Eltern sind auch aus der DDR und ich erinnere mich, dass wir vieles nicht weggeschmissen und noch mal verwendet hatten! Auch heute sammel ich gern noch “hübsche” Gläser, da ich bestimmt noch was finde, was darin aufbewahrt werden könnte!

    Liebe Grüße
    Jana

    1. Ach wie schön! Ich liebe “hübsche” Gläser und sammle die auch immer und überall. Früher habe ich die Gläser nur nie wieder duschsortiert und mal welche weggegeben – inzwischen muss es sein, sonst besteht meine Abstellkammer nur noch aus denen :D

      Liebe Grüße
      Annkathrin

  4. Nachhaltigkeit ist ja in aller Munde, zumindest war es das vor Corona. Ich schaffe dies nicht ganz, aber wir haben schon viel umgedacht und anders eingekauft. Ganz werde ich es nicht schaffen, aber der Weg ist das Ziel.

    Lieben Gruß, Bea.

    1. Mir ist es wichtig, dass jede*r seinen/ihren Teil dazu beiträgt. Das bedeutet, dass keine*r alles schaffen muss! Ich freue mich daher sehr, dass du deinen Beitrag leistest – egal, wie groß er ist :)

      Liebe Grüße
      Annkathrin

  5. Oh, fast in der Pharmaindustrie gelandet zu sein… dieser Wunsch wurde bei mir dank eines Praktikums auch glücklicherweise entsorgt.

    Die Idee ein nachhaltiges Experiment per TV mitverfolgen zu lassen finde ich spannend.
    Ich versuche schon seit Jahren wenig Müll zu produzieren, was oft leider nicht funktioniert. Aber ich suche immer neue Wege und werde immer besser.

    Liebe Grüße, Katja vom WellSpa-Portal.de

    1. Da hast du Recht! Kleinigkeiten können schon viel verändern – so wie der Schmetterling, welcher auf der anderen Seite der Erde den Sturm auslösen kann ;)

      Liebe Grüße
      Annkathrin

  6. 2018 fing ich an, auf alles was in Plastikflaschen abgefüllt wird, zu verzichten. Alleine das war schon eine Hürde. Heute, 2020 findet man sie wiede röfter , die Mehrweg Glasflaschen bei Milch und Getränken. Ich würde Charlie’s Selbstversuch gerne am TV mitverfolgen. Leider habt ihr nicht erwähnt, welcher Sender das macht. Schade.

    1. Hey Marion,

      ui ja, 2018 war es leider in vielen Bereichen noch nicht so weit wie heute – Hut ab, dass du dich auch schon so lange damit beschäftigst!

      Ich habe bei Charlie mal nachgefragt, denn das weiß ich leider auch nicht. Vielleicht steht es aber auch auf ihrem Blog.

      Liebe Grüße
      Annkathrin

  7. Nachhaltiges Leben als Experiment begleitet von einem TV-Team, toller Ansatz. Wir leben schon sehr lange „relativ“ nachhaltig und ich bin immer wieder erstaunt wie viel Müll andere haben, da man ja ein ganz anderes Maß hat. Das Wort relativ benutze ich, da ich in meiner Praxis doch viel Müll produziere. Alleine was so eine Infusion an Müll übrig lässt ist erschreckend, aber nicht zu ändern.
    Alles Liebe
    Annette

    1. Es ist erschreckend, oder? Wenn ich bei Freunden bin, die nicht so sehr darauf achten, geht es mir wie dir – da bin ich sehr erstaunt, wie viel Müll anfallen kann.
      Gesundheitsbedingter Müll ist meiner Meinung nach in Ordnung. Da gelten andere Prioritäten meiner Meinung nach. :) Doch auch da, gibt es bestimmt einiges, was sich verändern lässt. Du bist bestimmt besser in dem Thema als ich!

      Liebe Grüße
      Annkathrin

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