Katharina und die Nachhaltigkeit | #6

So viele schöne Rückmeldungen gab es zu dieser Interview-Reihe. Vielen lieben Dank! Heute geht es daher direkt weiter mit Katharina. Hier gelangst du zu den vorherigen der Interview-Reihe “Nachhaltigkeit”.

Erzähle doch kurz über dich – wer bist du und wo kommst du her?

Mein Name ist Katharina, ich bin 29 Jahre alt und lebe mit meinem Mann, unserem Hund, der Hühnerbande und den Bienen in unserem kleinen Haus am Wendlandrand (im östlichen Niedersachsen). Die Hühner und Bienen wohnen natürlich nicht bei uns im Haus, sondern auf dem 5000m² Grundstück das dazu gehört.

Um dich noch ein bisschen besser kennenzulernen: 3 Dinge über dich, die bisher kaum/keiner kennt …

  1. Eigentlich komme ich aus Baden-Württemberg, beziehungsweise bin dort aufgewachsen. Und nun wird es noch etwas komplizierter: meine Mutter ist Dänin und mein Vater ist in Rumänien geboren. Also alles wild gemischt =)
  2. Ich stricke wirklich gerne und bin froh, dass ich das schon in der Schule gelernt habe. So wirklich am leben gehalten hat die Begeisterung allerdings meine Mutter, da sie auch gerne strickt und sie das an mich weiter gegeben hat.
  3. Ich bin furchtbar faul…

Seit wann lebst du nachhaltig und was war der Auslöser dafür?

Eigentlich bin ich schon in einem Haushalt aufgewachsen in dem Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wurde. Ich wurde mit Stoffwindeln gewickelt, bin auf eine Waldorfschule gegangen und wir waren schon immer irgendwie ‘Ökos’. In meinen Teenager Jahren habe ich das etwas verloren, fand es aber immer wichtig und habe mich dann langsam wieder darauf zurück besonnen. Nun bin ich wahrscheinlich noch mehr ‘Öko’ als meine Eltern es jemals waren ;)

Für die Rückbesinnung gab es aber schon einige Auslöser. Da mein Mann Israeli ist, haben wir auch einige Jahre in Israel gewohnt. Dort war es nicht so einfach Mehrkornbrot/Vollkornbrot zu bekommen und ich habe es sehr vermisst. Also habe ich aus Frust irgendwann selbst mit dem Backen angefangen. Das was anfangs sehr holprig, aber wir haben das erste Mal erfahren wie wunderbar es sein kann etwas selbst herzustellen.

Daraufhin kam immer mehr dazu. Unter anderem auch das Buch ‘Self-sufficient life and how to live it’ von John Seymore – daraus wurde Permakultur, dann Forest Gardening und der Wunsch auf einem eigenen Stückchen Land all das theoretische auch praktisch umsetzen zu können. Seit dem sind wir auf unserem Weg zu einem möglichst nachhaltigen Leben…

Wie definierst du „Nachhaltigkeit“ für dich?

Nachhaltigkeit ist für mich möglichst wenig negative Auswirkungen auf die eigene Umwelt zu haben. Das erstreckt sich auf alle Lebensbereiche – sei es Ernährung, Mobilität, Konsum, Bauen/Wohnen, Reisen, Technik und alle Entscheidungen die man so trifft.

Eines unserer größten Themen ist unsere Ernährung. Wir essen sehr gerne gut und kochen viel. Dabei achten wir darauf wo die Lebensmittel die wir konsumieren herkommen, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind und wie weit sie reisen mussten um auf unserem Teller zu landen.

Daraus resultiert, dass wir selbst im Garten einiges anbauen, wir aber auch Mitglied einer CSA (Community supported agriculture/ Solidarische Landwirtschaft) sind, wo wir Gemüse und Milchprodukte in Demeterqualität holen können die auf einem Hof 15km von hier hergestellt werden. Getreide und dergleichen versuchen wir in Großgebinden zu bekommen. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nicht auch mal (wenn der Bioladen zu hat) in den Supermarkt gehen. Wir versuchen das aber zu vermeiden und machen so unser Leben manchmal doch etwas schwierig.

Auf meinem Blog ‘das kleine Haus am Wendlandrand’ schreibe ich viel über Nachhaltigkeit und wo man ansetzen kann. Wer also noch mehr darüber lesen möchte, was ich unter Nachhaltigkeit verstehe, der wird hier fündig.

Was ist dein bisher interessantestes Learning auf deiner Reise?

Hmm, das ist schwierig zu beantworten. Vielleicht, dass Glück nichts mit materiellen Werten zu tun hat sondern mit einer inneren Einstellung und dem Zulassen von kleinen Glücksmomenten. Denn man kann Glück in vielem finden: In einem schönen Sonnenaufgang, im ersten Schnee, in einer Umarmung oder einem selbstgebackenen Brot. Man muss nur lernen es zu sehen und wahrzunehmen. Dazu habe ich hier meine Gedanken aufgeschrieben.

Hat dich die Nachhaltigkeit bereits persönlich weitergebracht? Wenn ja, inwiefern?

Oh sie bringt mich andauernd weiter. Obwohl diese Art zu leben auch frustrierend sein kann, macht sie unglaublich glücklich. ‘The simple life’ – wie es so schön heißt – ist eigentlich nicht wirklich simple aber je mehr man sich aufs Wesentliche konzentriert, desto mehr Zeit hat man auch um das Leben zu genießen und inne zu halten.Wir haben zum Beispiel unseren Bedarf so weit runter geschraubt, dass wir beide nur Teilzeit arbeiten müssen. So haben wir mehr Zeit für uns, den Garten, die Tiere, das Haus und unsere Projekte und wir können so einiges an Geld durch selbermachen einsparen. Denn wenn man weniger konsumiert, braucht man auch weniger Geld.

Bist du durch dein nachhaltigeres Leben aktiver im Alltag geworden?

Da wir versuchen viele Dinge selbst herzustellen, ist unser Alltag um einiges aktiver geworden. Neben den Hunderunden, Brotbacken, Joghurt- und Feta-Herstellung, Marmelade einkochen, Gartenarbeit, den Hühnern und den Bienen renovieren wir auch noch unser kleines Häuschen das wir vor ca. 3 Jahren gekauft haben. Wir bauen zum Beispiel gerade unsere eigene Küche und die Treppe ins Obergeschoss ist auch in Arbeit. Wir haben den Schornstein selbst saniert und mehrere Öfen eingebaut. All diese Projekte nehmen uns sehr in Anspruch und kosten neben Zeit auch eine Menge Geld (auch wenn mans selbst macht) und Energie.

Das bedeutet aber nicht, dass wir unser Leben nicht genießen und auch mal einen Nachmittag auf dem Sofa verbringen oder einfach nur durch den Garten spazieren. Denn wir haben begrenzte Zeit auf dieser Erde und es wäre doch schade, wenn wir sie nicht voll und ganz genießen würden!

Was ist dein liebster Tipp, wenn du gefragt wirst, wie man einfach nachhaltig leben kann?

Mein Tipp wäre: Bewusst durchs Leben zu gehen. Denn wer über sein Handeln nachdenkt (auch im Kleinen), der konsumiert auch viel weniger. So lassen sich zum Beispiel viele Impuls-Einkäufe verhindern, man macht sich mehr Gedanken wo besagte Dinge herkommen und was für Auswirkungen sie auf ihre Produktionsumgebung haben. Das kann sehr anstrengend sein (wenn man zu schnell zu viel erreichen möchte) – macht aber auf jeden Fall auch glücklicher!

Zum Abschluss, eine Frage, die die Menschheit spaltet: Pizza mit oder ohne Ananas?

Was für eine Frage! Ohne natürlich ;) Nein, im Ernst: Pizza Hawaii macht ja nur Sinn mit Schinken und Ananas. Da wir uns vegetarisch ernähren, fällt der Schinken weg und somit auch die Ananas.

Vielen lieben Dank, Katharina für deine Antworten!

Du findest Katharina auf ihrem Blog “Das kleine Haus am Wendlandrand”, auf Facebook, Pinterest, sowie auf YouTube. Sie freut sich auf deinen Besuch!

Hast du auch Lust, interviewt zu werden? Dann schreibe mir eine kurze Nachricht via dem Kontaktformular oder bei Instagram. 🌿

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7 comments

  1. Garten, Hühner und Bienen! So will ich auch leben! Klingt einfach nur schön! Im Sommer können wir auch so einige Sachen im Garten ernten. Ich finde das so toll!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Bienen und Hühner, traumhaft. Ein toller Beitrag, der mir sehr gut gefallen hat. 5000 m2 zu bewirtschaften ist eine Herausforderung. Da ist mein „Minigarten“ mit seinen 1500 m2 ja ein Klacks.
    Alles Liebe
    Annette

    1. Liebe Anette, es freut mich, dass Dir der Beitrag gefallen hat. Wir bewirtschaften noch lange nicht die ganzen 5000m². Da wir erst vor ein paar Jahren hier her gezogen sind und alles Wiese war als wir angefangen haben. Aber wir arbeiten uns langsam vor =) Mit 1500 kann man ja auch schon eine Menge machen! Liebe Grüße

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