Gibt es den einen oder mehrere nachhaltige Lifestyles?

Für Nachhaltigkeit gibt es verschiedene Verständnisformen – nicht nur die wissenschaftliche, wie das Drei-Säulen-Modell, und die unwissenschaftliche Form, sondern auch in den Lifestyles an sich. Einige der verschiedenen nachhaltigen Lifestyles möchte ich dir hier aufzeigen.

Wenn du auf Blogs und Instagram unterwegs bist, sind dir einige Begriffe im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit garantiert schon aufgefallen. Einige Blogger sagen von sich selber z.B., dass sie Zero Waste leben, andere wiederum nach dem minimalistischen Lebensstil. Die Frage, ob dies die einzigen nachhaltigen Lifestyles sind die es gibt, soll hier geklärt werden. Genauso, ob du dich für einen entscheiden musst oder ob die sich nicht auch überschneiden (können). Ich bin gespannt, ob du dich wiederfindest!

Zero Waste

Beim Zero Waste-Lifestyle geht es darum, möglichst wenig Abfall zu produzieren. Dazu gehört auch Rohstoffe nicht zu vergeuden. Die 2002 gegründete Zero Waste International Alliance definiert Zero Waste folgendermaßen:

„Zero Waste: Die Bewahrung aller Ressourcen mittels verantwortungsvoller Produktion, Konsum, Wiederverwendung und Rückgewinnung von Produkten, Verpackungen und Materialien ohne Verbrennung und ohne Absonderungen zu Land, Wasser oder Luft, welche die Umwelt oder die menschliche Gesundheit bedrohen.“

Zero Waste bedeutet übersetzt „Null Müll“ – genau das ist das Ziel dieses nachhaltigen Lifestyles. Verfolger dieser Idee möchten eine Kreislaufwirtschaft und keine, wie aktuell vorhandene, Linearwirtschaft (oder auch „Wegwirfwirtschaft“) haben. Die Umsetzung geschieht durch einfache Maßnahmen im Alltag und an das halten der wichtigsten 5 R’s der Nachhaltigkeit.

Die 5 R’s der Nachhaltigkeit sind:

  1. Refuse – Ablehnen
  2. Reduce – Reduzieren
  3. Reuse – Wiederverwenden
  4. Recycle – Recyclen
  5. Rot – Verrotten

Shia hat diese auf Wasteland Rebel sehr gut erklärt. Wenn du dich an diese hältst, lebst du automatisch nachhaltiger und müllfrei(er). Sie helfen dir dabei einen umweltfreundlichen und glücklichen Lebensstil für dich zu gestalten. Eine Abschwächung von Zero Waste ist die Variante „Less Waste“.

Plastikfrei Leben

Das plastikfreie Leben bedeutet, dass du dich damit auseinandersetzt, welche Arten und Varianten von Plastik dir im Alltag über den Weg laufen. Wenn du morgens aufwachst, wird es vielleicht der Wecker sein oder im Bad die Zahnbürste und die Shampooflasche. Wenn du den Lifestyle „Plastikfreies Leben“ verfolgst, beschäftigst du dich genau mit diesen Produkten, überlegst dir, wie du sie nachhaltiger ersetzen kannst – z.B. durch eine Bambuszahnbürste oder festes Shampoo.

Du beschäftigst dich auch damit, ob es Einwegplastik (kurzweilig) oder wiederverwendbares Plastik ist. Der aus Plastik bestehende Wecker wird eine längere Lebensspanne als die Zahnbürste haben und es wird dementsprechend auch schwerer hier eine plastikfreie Variante zu finden.

Wichtig beim Einstieg – egal, welche Variante der nachhaltigen Lifestyles zu dir passt – ist, dass du nicht dem Wegwerfwahnsinn verfällst. Wenn du konsequent das Plastik aus deinem Alltag streichst, besitzt du innerhalb kürzester Zeit kein Handy mehr, und auch kein Laptop oder Föhn. In solchen Fällen ist die beste Variante entweder eine andere Aufgabe für das Produkt zufinden (z.B. Brotdosen können Aufbewahrungsdosen werden) oder solange aufzubrauchen, bis nichts mehr geht. Dann so gut es zu recyclen. Handelt es sich um Elektronikprodukte, was du nun neu brauchst, ist eine Möglichkeit diese neu aufgearbeitet bei As Good As New oder Backmarket zu kaufen.

Minimalismus

Wie beim nachhaltigen Leben an sich, versteht auch unter Minimalismus jeder etwas anderes. Für einige bedeutet es, so wenig Produkte zu besitzen wie möglich. Für andere wiederum, ihren eigenen Hausstand überhaupt erst einmal zu dezimieren.

Es gibt Zahlen, welche im Internet kursieren, wie viele Produkte ein Mensch besitzen sollte, wenn er ein Minimalist ist. Ich halte von dieser Art der Definition gar nichts. Dennoch heißt es, dass jeder Deutsche durchschnittlich 10.000 Dinge besitzt – hört sich im ersten Moment vielleicht nicht viel an. Doch in dem Moment, indem du deine Klamotten oder Bücher überschlägst, wirst du höchstwahrscheinlich merken, dass es in diesen Bereichen schon mehr Dinge sind, als du dir jetzt vorstellst. Frage dich dabei einmal, ob du wirklich alle diese Dinge regelmäßig benutzt oder ob du auf einige verzichten könntest. Als ich mir diese Frage stellte, ist schnell viel aus meinem Haushalt geflogen…

Für mich ist Minimalismus, dass ich darauf achte, was ich kaufe. Vor dem Kauf frage ich mich, ob ich es wirklich brauche oder ob ich zu Hause nicht schon ein anderes/ähnliches Teil habe, dass den Job auch erfüllen kann. Durch diese Überlegungen zieht vieles gar nicht mehr bei mir ein.

Im ersten Moment könnte der Gedanke aufkommen, dass Minimalismus kein nachhaltiger Lifestyle ist. Denn es steht nirgendswo geschrieben, dass du auf Plastik verzichtest oder gezielt weniger Müll produziert. Doch je tiefer und länger sich mit der Thematik Minimalismus beschäftigt wird, umso mehr kommt das nachhaltige Leben auf. Der schnelle Griff zu den Nudeln in der durchsichtigen Plastikfolienverpackung wird zu einem schnellen Griff zu den Nudeln in dem Pappkarton. Anfangen könntest du durch die Minimalismus-Challenge.

Slow Culture

Bei dieser Art des nachhaltigen Lifestyles geht es nicht mehr nur darum, was deinen persönlichen Alltag betrifft, sondern Slow Culture greift noch viel tiefer. Hier geht es darum, wie die Unternehmen agieren, bei denen du einkaufst oder aber auch die gesellschaftliche Ausrichtung. Ins deutsche kann es mit „Entschleunigung“ übersetzt werden.

Das Thema „Slow Culture“ wird dir vermutlich nicht am Beginn deiner Reise zu einem nachhaltigen Leben begegnen, sondern wenn du weiter fortgeschritten bist. Bei diesem Lifestyle geht es darum, dass sich immer mehr dafür interessiert wird, welche Qualität die Ware hat, die du einkaufst, wo sie herkommt, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurde, Lieferketten etc. Du, als Konsument, hinterfragst wo die Ware herkommt. Durch dieses Hinterfragen werden (große) Unternehmen unter Druck gesetzt, sich zu verändern und nachhaltige Unternehmen unterstützt und vorangetrieben. Es wird also ein besseres Ideal zwischen den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales gefunden.

„Slow Culture“ ist der Überbegriff für eine ziemlich große Bewegung. 1986 hat Carlo Petrini dagegen protestiert, dass ein McDonald’s in Rom eröffnet wurde. Diese Protestaktion hat die Bewegung „Slow Food“ in das Leben gerufen. Im Laufe der Zeit wurden den Buchstaben SLOW einzelne sehr passende Begriffe zugeordnet:

Sustainable

Local

Organic

Whole

Über die Jahre hat sich dieser Slow-Gedanke immer weiterentwickelt. Heute gibt es unter „Slow Culture“ viele Richtungen:

  • Slow Food
  • Slow Fashion
  • Slow Money
  • Slow Living
  • Slow Consumption
  • Slow Parenting
  • Slow Travel

Wie du erkennen kannst, betrifft die Slow Culture viele Lebensbereich. Wie ich anfangs schrieb, wirst du dich erst im Laufe deiner Reise mit diesen Themen beschäftigen und vermutlich auch nicht mit allen auf einmal. 

Muss ich mich einem bestimmten nachhaltigen Lifestyle zuschreiben?

Alle nachhaltigene Lifestyles haben eines gemeinsam: die Achtsamkeit. Egal, wie du anfängst, nachhaltig zu leben, du achtest vermehrt auf die Umwelt, auf die soziale und die ökologische. Vor allem auch auf dich selber! Du lernst dich besser kennen und verstehen, wirst Tempo aus deinem Alltag nehmen und deutlich weniger Stress haben.

Stellst du die nachhaltigen Lebensstile nebeneinander und versuchst klare Abgrenzungen zu finden, wirst du merken, dass die Abgrenzungen verschwommen sind. Sie haben viele Überschneidungen und das ist vollkommen in Ordnung. Daher wirst du nicht zu 100% nach einem Lifestyle leben (können).

Wichtig ist, dass du für dich den Weg findest und den Lebensstil, der zu dir passt.

Am Anfang meiner Reise habe ich mir ganz klar „Zero Waste“ zugeordnet. Auch jetzt passt der noch sehr gut. Dennoch, umso mehr ich mich damit befasse und befasst habe, habe ich gemerkt, dass ich in einigen Bereichen Abstriche machen muss. Einige Lebensmittel, vor allem bei einer vegetarischen oder veganen Ernährungsweise, sind schwer unverpackt zu bekommen. Es kommt auch darauf an, wo du wohnst. Daher mag ich heute nicht mehr sagen, dass ich komplett zu der Box Zero Waste gehöre – auch wenn das mein Ziel ist.

Mein Tipp für dich ist: Lasse dir keinen Stempel aufdrücken! Mache es, wie es zu dir passt und gib dein persönlich Bestes!

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