Nachhaltigkeit und Zero Waste – nur ein Trend? | Meinungstalk

Immer wieder und wieder kommt diese Frage auf. Viele Diskussionen führten dazu, dass ich mir immer mehr und mehr über diese Fragestellung Gedanken gemacht habe. Sind Nachhaltigkeit und Zero Waste nur ein Trend oder haben sie das Zeug langfristig eine Lebenseinstellung aller Bevölkerungsgruppen zu sein?

An einer Hand ist es nicht mehr abzählbar, wie häufig ich mit dieser Frage konfrontiert wurde. Es hat auch jeder eine andere Meinung dazu – was garantiert nicht falsch ist!

Wie ich mehrmals bereits schrieb, bin ich mit einem gewissen Maß an Nachhaltigkeit aufgewachsen. Etwas, dass mich und mein Leben geprägt hat und für das ich mich nur Bedanken kann bei meinen Eltern! Mein Vater fragt sich inzwischen, wo etwas schiefgelaufen ist: ich schon fast ein Ticken zu viel, mein Bruder so gut wie gar nicht. Zwei Extreme treffen aufeinander.

Mir ist klar geworden, dass es so nicht weitergehen kann, als ich in meine erste eigene Wohnung gezogen bin. Das erste Mal sah, was ich als eine Person alles besitze und wie viel Müll ich eigentlich nach und nach wieder hinausgeschleppt habe. Bei einer 4er-WG ist dies vorher nicht in diesem Extrem aufgefallen.

Das war nicht all zulange bevor Nachhaltigkeit und Umweltschutz populär wurde. Den Begriff „Zero Waste“ habe ich kurz danach irgendwo aufgeschnappt und adaptiert. In die Richtung „plastikfrei“ wollte ich sowieso, also passte es.

Tatsächlich habe ich seitdem immer mehr das Gefühl, dass viele auf den Zug aufspringen und es dementsprechend zum Trend wird. Genauso wie Unternehmen, die spüren, dass sie über die Nachhaltigkeitsschiene ordentlich Geld machen können. Ich tue es mir teilweise echt schwer, den Unternehmen zu glauben, dass sie es ernst meinen. Denn Greenwashing ist inzwischen viel verbreitet.

Leihen statt kaufen – das Wirtschaftssystem ummodeln

Meiner Meinung nach, müsste das gesamte Wirtschaftssystem umgemodelt werden. Mehr auf Langlebigkeit der Produkte setzen und Geld durch Servicedienstleistungen verdienen. Oder durch vermieten, weil der Besitz einiger Geräte auch immer mehr in die Vergangenheit gerät. Es macht z.B. keinen Sinn, einen Beamer zu besitzen, wenn ich den ein- bis zweimal benutzen möchte, um mit Freunden eine Kinoatmosphäre zu haben. Stattdessen frage ich im Freundeskreis herum, ob mir jemand seinen leihen kann oder leihe ihn mir via einem Verleihservice. Das ist eine Idee von vielen, die mir im Kopf herumschweben.

Ich finde es sehr gut, dass viele Menschen sich zurzeit Gedanken machen und Dinge ändern, da darfst du mich bitte nicht falsch verstehen! Ich glaube nur, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ zurzeit sehr viel mediale Aufmerksamkeit bekommt, sobald etwas anderes „wichtigeres“ passiert, es mindestens zeitweise wieder verschwindet. Wir können von Glück reden, dass Greta Thunberg die eine war, die den Anfang gemacht hat und damit #FridaysforFuture in die Welt gerufen hat. Die Menschen, dazu zähle ich auch mich, brauchen jemanden, der anfängt: einen Leader. Ja, es gibt Menschen wie mich, die alleine anfangen, es in irgendeiner Art und Weise an andere herantragen und dadurch eventuell einen Impact erzeugen. Das ist für den Klimaschutz jedoch viel zu langsam!

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind Luxusgüter

Uns Deutschen geht es in der heutigen Zeit verhältnismäßig ziemlich gut. Aus diesem Grund kümmern sich viele jetzt um die Nachhaltigkeit und um die Natur. Wenn wir uns die Maslow‘sche Pyramide angucken, sind bei den meisten die Grundbedürfnisse gedeckt und wir fangen an, uns um die Luxusgüter zu kümmern. Unsere Natur sollte nicht zu den Luxusgütern zählen, sondern zu unseren Grundbedürfnissen! Für uns ist es ein Luxusgut, weil es keinen Preis hat. Wir können die Natur und die Ausmaße des Klimawandels sehr schlecht greifen. Für den Menschen ist es z.B. schwer vorstellbar, dass ein Sturm auf der anderen Seite der Welt gerade wirklich passiert.

Und dann kam die Pandemie …

Mit der Pandemie, die wir zurzeit bekämpfen, ist dies schon sehr sichtbar. Wann hast du das letzte Mal einen Bericht über den Klimawandel gesehen oder gelesen? Es sind immer wieder kleine kurze Nachrichten gewesen. Vielleicht hast du mitbekommen, dass sich das Wasser und das Leben in den kleinen Flüssen Venedigs erholt haben? Innerhalb kurzer Zeit ist das Wasser klar geworden, die Fische sind zurückgekehrt. Ein toller Nebeneffekt neben den traurigen Geschehnissen.

In meinem Alltag merke ich auch einen Unterschied zu vor der Pandemie. Lebensmittel unverpackt kaufen hat noch immer einen hohen Stellenwert, doch fahre ich nicht den Umweg bis zum Unverpackt Laden regelmäßig. Ich besorge mir jetzt (fast) alles auf dem Markt und im Supermarkt. Dadurch fällt mehr Einwegplastik als normalerweise an. Begeistert bin ich davon nicht.

Ein anderer Punkt sind die Masken, welche inzwischen alle tragen müssen. Viele Einwegmasken liegen nun an den Bahnhöfen und in den Städten auf dem Boden, anstatt, dass der nächstgelegene Mülleimer genutzt wird. Vor Covid-19 wäre sofort ein Aufschrei durch die Menschen gegangen. Jetzt wird es jedoch leider sehr unter den Teppich gekehrt. Zumindest habe ich das Gefühl – wie ist das bei dir?

Gesundheit steht an erster Stelle, auch vor der Nachhaltigkeit. Dennoch dürfen der Klimaschutz und der Klimawandel nicht in Vergessenheit geraten! Jeder Erdbewohner kann noch immer sein persönlich Bestes geben, um ein kleines bisschen Nachhaltiger zu leben. Schön wäre es auch, dass beim wieder aufbauen der Wirtschaft, dass 3-Säulen-Modell mehr in Betracht gezogen wird. Wir brauchen den Dreispann zwischen ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit, sowie der Sozialen.

Gesundheit steht an erster Stelle, auch vor der Nachhaltigkeit. Dennoch dürfen der Klimaschutz und der Klimawandel nicht in Vergessenheit geraten! Jeder Erdbewohner kann noch immer sein persönlich Bestes geben, um ein kleines bisschen Nachhaltiger zu leben. Schön wäre es auch, dass beim wieder aufbauen der Wirtschaft, dass 3-Säulen-Modell mehr in Betracht gezogen wird. Wir brauchen den Dreispann zwischen ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit, sowie der Sozialen.

Meine Hoffnung ist, dass die positiven Effekte, welche wir jetzt spüren, mit Verlauf der Pandemie nicht wieder zunichte gemacht werden. Sehr hoffe ich, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Trend ist, auch wenn das Gefühl immer mal wieder da ist. Wenn wir es schaffen, nach der Pandemie nicht zurück in alte Verhaltensmuster zu fallen, dann können wir es schaffen, dass nachhaltig Leben ein neues Lebensgefühl für die Bevölkerung ist und bleibt. Daran glaube ich fest.

Wie siehst du das? Findest du das Nachhaltigkeit und Zero Waste nur ein Trend sind?

This post is also available in: Englisch

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