Wie viel Erden braucht ein Mensch? | Ökologischer Fußabdruck

Wie viel Erden braucht der Mensch? Wie viel Erden verbrauchst du pro Jahr? Bestimmt hast du schon einmal von dem ökologischen Fußabdruck gehört. Er wird gerne in den Raum geschmissen, wenn es darum geht, dass wir Menschen über unseren Verhältnissen leben. Da dies für viele schwer verständlich ist, wird etwas Messbares benötigt, bei dem sich der Mensch mehr drunter verstehen kann.

Woher kommt der ökologische Fußabdruck?

Mit dem Nachhaltigkeitsindex „ökologischen Fußabdruck“ wird die biologisch produktive Fläche auf der Erde dargestellt. Mit dieser Fläche wird der Lebensstil und der Lebensstandard eines Menschen dauerhaft ermöglicht.

1994 wurde der Index von Mathis Wackernagel und William Rees entwickelt. Neun Jahre später, 2003, wurde das Global Footprint Network (GFN) gegründet. Dies ist eine Non-Profit-Organisation aus dem Umweltbereich. Das GFN berechnet unter anderem wann der Earth Overshoot Day (Erdüberlastungstag) ist.

Wenn du mit der Reise zu mehr Nachhaltigkeit beginnst, ist dir der ökologische Fußabdruck wahrscheinlich schon über den Weg gelaufen. Ich kann dir nur raten, dir diesen aus reinem Interesse auszurechnen. Sozusagen als Status Quo. Umso mehr du deinen Alltag nachhaltiger werden lässt und ihn veränderst, umso mehr verändert sich dein Fußabdruck. Berechne ihn doch nach einem Jahr nochmal und schau, wie viel du schon geschafft hast! Es gibt mehrere Rechner, daher empfehle ich dir den Fußabdruckrechner auf footprintcalculator.org.

Wie wird er denn berechnet?

Dem Global Footprint Network ist sehr wichtig, dass die Berechnung transparent nachvollziehbar ist. Daher kannst du hier nachlesen, wie die Berechnung geschieht. Dies genauer hier auszuführen, würde den Rahmen sprengen.

Kurzgefasst, hat das GFN den „globalen Hektor“ (gha) entwickelt. Dieser entspricht einem Hektar mit weltweit durchschnittlicher Produktivität. Nicht jeder Hektar auf der Erde ist gleich erträglich. Wälder, Berge, Wüsten und die Bodenfruchtbarkeit sind ungleichmäßig verteilt, weswegen die Lösung des globalen Hektars ausgewählt wurde. In die Berechnung des globalen Hektars gehen alle Flächen ein, die biologisch nutzbar sind. Wüsten, Hochgebirge und bebaute Flächen zählen nicht dazu, sie gelten als neutral.

Der Berechnung wird die Frage „Wie viel biologische Kapazität des Planeten wird von einer gegebenen menschlichen Aktivität oder Bevölkerungsgruppe in Anspruch genommen?“ zugrunde gelegt. Der ökologische Fußabdruck setzt dementsprechend die durchschnittliche verfügbaren Biokapazität mit dem Bedarf eines Menschen in Beziehung. Aus dem Living Planet Report 2018 (herausgegeben vom WWF) geht hervor, dass der durchschnittliche ökologische Fußabdruck bei den Deutschen bei 3.5-5.25 gha 2014 lag. Das ist ganz schön viel! 

Stärken und Schwächen des ökologischen Fußabdruckes

Genauso wie die Berechnung des Fußabdruckes offen kommuniziert wird, wird auch nicht verschwiegen, dass dieser Nachhaltigkeitsindex Schwächen hat. 

Ganz klar ist in den Vorwegen zu sagen, dass der ökologische Fußabdruck sehr anschaulich ist mit den globalen Hektar und damit für viele einfacher verständlich. Er ist einfacher zu visualisieren und damit zu kommunizieren

Natürlich hat er auch Schwächen. Eine große ist die Reduktion auf nur eine Einheit – dem globalen Hektar. Diese ist nicht auf alle biologischen Faktoren anwendbar, wie dem Wasserverbrauch und der Biodiversität. Viele nichtbiologische Faktoren werden bei der Berechnung nicht einmal berücksichtigt, wie Abfälle, nichterneuerbare Ressourcen, sowie toxische und andere gefährliche Substanzen.

Da es also ganz klar Schwächen am ökologischen Fußabdruck gibt, die nicht unterschätzt werden dürfen, muss aufgepasst werden, dass der Nachhaltigkeitsindex von Ländern oder Organisationen nicht instrumentalisiert werden. Er liefert nur einen Überblick über die Lage von einzelnen Regionen und ist nur eine Mindestbedingung für Nachhaltigkeit – er ist am Ende nicht hinreichend.

Auch in den 90er Jahren wurde der Sustainable Process Index (SPI) entwickelt an der TU Graz. Er gilt als Alternative zum ökologischen Fußabdruck, denn es werden im SPI auch sämtliche Emissionen neben allen Stoff- und Energieflüssen erfasst. Der SPI wird auch als „ökologischer Fußabdruck“ bezeichnet und darf nicht mit dem des GFN verwechselt werden. Umgangssprachlich ist in 90% der Fälle der zuerst beschriebene ökologische Fußabdruck gemeint.

Earth Overshoot Day

Mithilfe des ökologischen Fußabdruckes lässt sich ausrechnen, ab welchem Datum des laufenden Jahres die konsumierten Ressourcen der Menschen die Kapazität der Erde übersteigen. Ab dem besagten Tag leben wir über unseren Verhältnissen und verbrauchen mehr als eine Erde. Bekannt ist er durch jährliche Kampagnen, ausgehend vom Global Footprint Network. Der Earth Overshoot Day wird für die ganze Welt berechnet. Er kann jedoch auch für einzelne Länder berechnet werden. Im Deutschen hast du eventuell als „Welterschöpfungstag“ oder „Erdüberlastungstag“ von ihm gehört. 2019 lag er am 29. Juli. Durch den Klimawandel zeigt der Trend, dass er immer früher liegt im laufenden Jahr. Dennoch ist nicht zu verachten, dass er auch Schwankungen unterliegt. Liegen tut dies an neuen Erkenntnissen zur Berechnung und der Methodik.

Ich kann dir, auch wenn der ökologische Fußabdruck nur hinreichend ist, empfehlen, ihn dir immer mal wieder auszurechnen und zu schauen, wie sich deine verbrauchten globalen Hektar verändern! Ich bin gespannt, was bei dir rauskommt und wie sich der verändert – halte mich hier gerne auf dem laufendem!

Hast du noch weitere Fragen zum ökologischen Fußabdruck oder auch zum Earth Overshoot Day? Stelle sie mir gerne in den Kommentaren.

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