Nachhaltigkeit

Clever Geld sparen durch das Vermeiden von Lebensmittelverschwendung

04/08/2019

Du schmeißt ca. 75kg Lebensmittel pro Jahr in die Tonne. Rund €230 pro Jahr verbrennst du einfach. Zumindest, wenn du ein*e deutsche Durchschnittsbürger*in bist. Wusstest du, dass du durch cleveres Einkaufen nicht nur Geld, sondern vor allem auch Ressourcen sparen kannst? Neben dem Einkaufen kannst du auch während und nach der Verarbeitung deiner Lebensmittel eine Menge tun. Ein paar Tipps und Tricks habe ich dir in diesem Artikel zusammengefasst.

Wie viele Lebensmittel kaufst du und schmeißt sie am Ende doch weg? Ich vermute, dass das nicht wenige sind. Als ich mir das erste Mal wirklich Gedanken darüber machte, ist es deutlich mehr als vermutet gewesen. Warum schmeißt du die Lebensmittel weg? Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten? Hat das Obst oder Gemüse Stellen bekommen? Eigentlich magst Du es gar nicht? Schnell wirst du wahrscheinlich feststellen, dass viele Gründe vermeidbar sind.

Beginnen wir mit einem kleinen Faktencheck…

In der EU werden rund 88 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr weggeworfen.

In Deutschland ca. 12 Millionen Tonnen. Davon 6,7 Millionen Tonnen alleine in den Haushalten – das sind über 50% der weggeworfenen Lebensmittel in unserem Land!

Pro Person sind das ca. 75kg, was ungefähr zwei vollgepackten Einkaufswagen mit einem Warenwert von ~ € 230 entspricht.

690 Millionen Menschen hungern weltweit. Zwei Milliarden leiden an einer Mangelernährung.

Zusammensetzung der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in deutschen Privathaushalten, Quelle: GFK-Studie (ohne Getränke), 2017

Was kann ich gegen die Lebensmittelverschwendung tun?

Eine Menge! Wahrscheinlich sogar mehr als du denkst. Einige Tipps sind einfacher umzusetzen, andere mit ein bisschen Aufwand. Fühle dich bitte nicht unter Druck gesetzt, alle umsetzen zu müssen. Das wird nicht klappen. Genauso wenig wirst du von jetzt auf gleich keine Lebensmittel wegschmeißen. Das Ziel ist, bewusster mit Lebensmittelverschwendung umzugehen und die passenden Lösungen und Möglichkeiten zu finden.

Plane deinen Einkauf und kaufe bedarfsgerecht ein

Ob du jetzt deine ganze nächste Woche planst oder nur ein paar Tage, ist am Ende egal. Hauptsache, du tätigst keine bzw. wenig Spontankäufe. Diese Lebensmittel werden dann oftmals doch nicht verwendet oder stattdessen eingeplante vergessen. Schreibe dir auf, welche Lebensmittel dir ausgehen, wie viel du davon brauchst und wo du diese besorgen möchtest. Ich nutze dazu die App “Körbchen” und liebe diese. Natürlich gibt es noch viele andere – einfach mal schauen, welche für dich am besten passt. Oder klassisch: Papier und Stift.

Lagere deine Lebensmittel richtig

Wie wird Brot gelagert? Wie Tomaten? Wo gehört was in den Kühlschrank? Was gehört in die Abstellkammer? Auf Pinterest habe ich dir in meinem Board „Lebensmittel richtig lagern“ einige Links zusammengestellt.

Lies das Mindesthaltbarkeitsdatum richtig

Das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht, dass das Lebensmittel danach direkt verdorben ist und es weg muss. Es ist eine Richtlinie und häufig auch Tage später noch essbar. Nutze deine Sinne und schaue, rieche, schmecke – die helfen dir gute  Lebensmittel von verdorbenen zu unterscheiden. Vertraue ihnen und kämpfe gegen die Lebensmittelverschwendung!

Wusstest du, dass bei einigen Lebensmitteln gar kein MHD angegeben werden muss? Dazu gehören z.B. frisches Obst und Gemüse, Wein, Getränke mit einem Alkoholgehalt ab 10 Volumenprozent, Kaugummi, Zucker, Speisesalz oder Essig. Bei der Verbraucherzentrale findest du auch weitere Informationen zum Mindesthaltbarkeitsdatum.

Verwende deine Reste kreativ

Mache Reste essen draus, Eintopf, Lasagnen, Salate – oder koche / mache deine Reste ein. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wenn du deine neuen Gerichte nicht direkt essen möchtest, nehme ein Glas oder Dose und friere es ein. Damit hast du direkt Meal Prep für irgendeinen stressigeren Zeitpunkt erledigt. Du kannst deine übriggebliebenen Lebensmittel auch teilweise anpflanzen (Kartoffeln mit Augen zum Beispiel oder Zwiebeln) oder zum Putzen verwenden (Zitronen).

Beim Einkaufen kannst du bereits einiges beachten:

Rette Lebensmittel!

Über Foodsharing und ortsbezogene (Facebook-)Gruppen kannst du Lebensmittel retten. Foodsharing bedeutet, dass es Menschen gibt, die regelmäßig bei verschiedenen Supermärkten o.ä. Lebensmittel abholen und die Reste, die sie nicht benötigen auf die Website von Foodsharing online stellen oder in die verschiedenen Lebensmitteltauschecken (in Hamburg z.B. die Keimzelle im Karo-Viertel).

Alternativen sind die Start-ups Too Good To Go oder SIRPLUS. TGTG ist eine App, über die du von Restaurants, Supermärkten, Bäcker die Ware vergünstigt abholen kannst. Nach Feierabend würden diese sonst im Müll . Sirplus ist ein Berliner Start-up, welches Lebensmittel, die fast oder gerade abgelaufene MHD’s haben, zum Verkauf anbietet. Dies kannst du in den beiden Berliner Filialen direkt vor Ort machen oder über deren Online Shop. Es lohnt sich dort umzuschauen, denn das Sortiment wechselt immer wieder!

Meine Ausbeute von einem Bäckershop via Too Good To Go für nur €2!

Teile deine übrig gebliebenen Lebensmittel!

Gib selber ab, was du nicht mehr verwenden möchtest – im Freundeskreis, bei Nachbarn oder via Foodsharing. Auch so vermeidest du Lebensmittelverschwendung und andere freuen sich darüber.

Kaufe bewusst ein

Wähle die krumme Gurke, die einzelnen Bananen, die Packung die eine Delle hat. Genau das sind die Produkte, welche sehr schnell im Müll landen.

Mit diesen Tipps kannst du der Verschwendung von Lebensmitteln in deinem Zuhause schon sehr gut entgegenwirken. Du sparst langfristig eine Menge Geld und Ressourcen. Übrigens: auch unverpackt Einkaufen kann eine sehr gute Möglichkeit sein für beides. Das merke ich als Ein-Personen-Haushalt besonders, wenn es um Produkte geht, von denen ich nicht so viel benötige.

Hast du noch weitere Ideen, wie du der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken kannst?

Quellen:
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/QANDA_19_6706
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/lebensmittel-zwischen-wertschaetzung-und-verschwendung-6462
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/mindesthaltbarkeitsdatum-mhd-ist-nicht-gleich-verbrauchsdatum-13452
https://www.welthungerhilfe.de/hunger/

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8 Comments

  • Reply Anika 09/08/2019 at 12:53 PM

    Ich plane meine Einkäufe eigentlich immer im Voraus. Dazu überlege ich mir 3-4 Gerichte, die ich in der Woche kochen möchte und kaufe dann dementsprechend ein. Meistens bleibt eh bei jedem Essen etwas übrig, das reicht dann für die Übrigen Tage der Woche :D Das macht echt schon einen gewaltigen Unterschied. Früher habe ich auch immer total planlos eingekauft: Voller Einkaufswagen, ein Haufen Geld weg, aber irgendwie doch nicht alles da, um eine komplette Mahlzeit zu kochen …

    Die Foodshring Apps würde ich gerne mal ausprobieren, aber leider gibt es bei mir in der Gegend kaum Angebote …

    Und z.B. bei Bananen kaufe ich auch immer die einzelnen und schon ein bisschen braunen. Die riesigen Bündel sind eh immer viel zu viel für mich.

    Achja und auf MHD achte ich eigentlich gar nicht mehr. Wenn es komisch aussieht, riecht oder schmeckt, kommt es weg. Ansonsten wird es gegessen.

    • Reply Annkathrin 30/08/2019 at 12:43 PM

      Das hört sich richtig gut an, Anika!
      Das mit den Foodsharing-Apps ist oft so. Too Good To Go kannst z.B. auch Geschäfte in deiner Gegend vorschlagen. Vielleicht ist ja Sir Plus was für dich – retten, obwohl du nicht in einer Großstadt wohnst ?

      Liebe Grüße
      Annkathrin ?

  • Reply Michelle 07/08/2019 at 12:49 PM

    Ich kaufe immer mit Einkaufsliste ein und einer Planung, was ich daraus machen will. Das klappt daher meist ganz gut. Ab und zu werden Sachen dann leider doch nicht aufgebraucht und landen im Müll, aber das versuche ich so weit es geht zu vermeiden.
    Auf Festivals auch eine tolle Sache: beim M’era Luna fährt zum Ende des Festivals ein Wagen über den Campingplatz und sammelt nicht angebrochenes Essen ein, welches beim Festival übrig geblieben wäre. Am Ende kommt das dann zur Tafel. Dort gibt es auch ein Foodsharing Regal, das finde ich immer super!

    • Reply Annkathrin 30/08/2019 at 12:45 PM

      Wie gut hört sich das denn an bei dem Festival ? Beim Open Flair ist das wohl ähnlich – schaue ich mir nächstes Jahr mal an ??

      Liebe Grüße
      Annkathrin ?

  • Reply Shivani Vogt 06/08/2019 at 6:41 PM

    Toller Artikel. Und ich merke im Alltag immer wieder: es gibt Lösungen. Ich bin gerade in Paris und da gibt es mehrmals in der Woche eine Aktion wo von der Tafel (habe leider nicht auf das Fahrzeug geschaut wie das in Paris heisst, deshalb nenne ich es so) Lebensmittel verschenkt werden. Da sind Tische im Quadrat aufgebaut, hoch aufgeschichtet mit allem was es im Supermarkt gibt und Menschen mit sichtlich wenig Geld nehmen sich einfach was sie brauchen.
    Und zu mir kann ich sagen: ich habe von meinem Mann gelernt richtig einzukaufen, Obst und Gemüse richtig zu lagern. Und wir kaufen meistens auf dem Markt. Das lohnt sich – es geht viel weniger kaputt – und es macht auch noch Spaß. Frau lernt nie aus.

    • Reply Annkathrin 30/08/2019 at 12:46 PM

      Danke! Ja, gibt es – man muss nur die Augen und Ohren offen halten ?
      Genieß deine Zeit in Paris!

      Liebe Grüße
      Annkathrin ?

  • Reply Jana 04/08/2019 at 8:24 PM

    Lebensmittelverschwendung ist so schlimm! Nicht nur im privaten Rahmen, auch im Handel! Eine Freundin von mir hatte mal in einer Bäckerei gearbeitet und ich war mal zufällig kurz vor Ladenschluss noch da, als sie alle nicht verkauften Sachen wegschmeißen musste. Das konnte ich gar nicht mit ansehen! Ich selbst versuche nur Sachen zu kaufen, die ich auch im entsprechenden Zeitraum aufessen kann. Es tut mir immer so leid, wenn doch mal was wegeworfen werden. Meist versuche ich Lebensmittel auch zu verschenken, die ich allein nicht verbrauche, z.B. aus unserer Lebensmittelbox!

    Liebe Grüße
    Jana

    • Reply Annkathrin 30/08/2019 at 12:48 PM

      Ich habe es selber im Supermarkt erlebt. Hatte jedoch auch sehr viel Glück, dass wir sehr viel der Tafel gespendet haben (die jedoch nicht alles annehmen können/dürfen) und dass bei uns vieles abgezeichnet wurde und wir Mitarbeiter mit nach Hause nehmen durften.
      Toll, dass du dich so auch damit auseinandersetzt!

      Liebe Grüße
      Annkathrin ?

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